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Der folgende Text erklärt kindgerecht aufbereitet einige Fragen rund um den Blindenführhund.

1. Was ist eigentlich ein Blindenführhund?

Ein Blindenführhund ist ein Diensthund, der dafür ausgebildet ist, einen blinden oder sehbehinderten Menschen zu führen. Die Dinge, die der Mensch nicht sehen kann, sieht der Hund für ihn.

Der Führhund hilft dem blinden Menschen, sich leichter, schneller und vor allem sicherer in seiner Umwelt zurechtzufinden.

Er zeigt seinem Herrchen oder Frauchen Treppen, Gehsteigkanten oder Türen an und führt den Menschen auf bestimmte Kommandos, die sogenannten „Hörzeichen“, auch zur Post, an den Arbeitsplatz oder zum Bahnhof.

Ein guter Blindenführhund beherrscht nach der Ausbildung etwa 40 bis 70 Hörzeichen, mit deren Hilfe der blinde Mensch ihn an alle möglichen Orte dirigieren kann. Je mehr Hörzeichen er in der Ausbildung gelernt hat, desto leichter ist es für das Frauchen oder das Herrchen später, dem Hund neue Kommandos beizubringen. Ein Hund kann bis zu 400 Hörzeichen lernen. Es kommt jedoch nicht darauf an, wie viele Kommandos er beherrscht, sondern dass er die wichtigsten Befehle, wie z.B. „links“, „rechts“, „such Ampel“ oder „such Treppe“ sicher und zuverlässig ausführen kann.

Eine besonders große Hilfe ist der Führhund z.B. bei Baustellen, die meist sehr unübersichtlich sind. Hier führt der Hund, wenn es nötig ist, auch vom Gehsteig herunter, umgeht die Baustelle auf der Straße und betritt an der ersten Möglichkeit wieder den Gehsteig.

Ein Führhund muss dem Befehl, eine Straße zu überqueren, normalerweise immer folgen. Wenn aber z.b. Gefahr durch ein heranfahrendes Auto droht, muss er sich dem Befehl widersetzen. Genauso sieht es z.B. an einem Graben oder Abgrund aus. Wenn der blinde Mensch nicht weiß, dass vor ihm ein Abgrund ist, und dem Hund befiehlt, geradeaus zu gehen, muss der Hund sich weigern und stehenbleiben, damit die Beiden nicht in den Abgrund fallen. Sich einem Befehl zu widersetzen, ist für einen Hund eine große Leistung, weil ein Hund grundsätzlich sehr gehorsam ist und tun soll, was der Mensch ihm sagt, egal, ob es ein Familienhund oder ein Diensthund ist.

Auch Hindernisse, an denen der Hund normalerweise einfach vorbeilaufen könnte, die für den Menschen aber gefährlich sind, muss der Hund anzeigen und umgehen. Unter einem herunterhängenden Ast oder einem in den Weg ragenden Verkehrsschild kommt der Hund vorbei, der Mensch aber nicht. Der Hund muss also wissen, dass er mit dem Menschen, den er führt, nach oben und zu den Seiten hin mehr Platz braucht.

2. Woran erkenne ich einen Führhund?

Wenn der Hund im Dienst ist, also gerade seinen Menschen führt, trägt er neben der Leine ein weißes Geschirr mit einem Griff, das sogenannte Führgeschirr. Der starre Bügel, den der blinde Mensch in der Hand hält, lässt ihn jede Bewegung des Hundes genau fühlen und ermöglicht es ihm, zügig neben dem Hund zu gehen. Außer dem Geschirr trägt jeder Führhund eine Plakette am Halsband, auf der meist der Umriss eines blinden Menschen mit Führhund abgebildet ist.

Wenn ein Führhund nicht arbeitet sondern Pause macht, trägt er oft eine sogenannte Kenndecke. Das ist eine Art schmales Mäntelchen in Signalfarben, auf dem ein ähnliches Symbol zu sehen ist wie auf der Plakette. Außerdem steht in großen Buchstaben „Blindenführhund“ auf der Kenndecke.

3. Wie lernt der Führhund seine Aufgabe?

Der Hund lernt durch ständiges Wiederholen, dass er an Gehsteigkanten und Treppen stehen bleiben muss, nicht unter Absperrungen hindurchlaufen darf und auch nicht zu eng um Ecken herumgeht. Wenn der Hund alles richtig macht, wird er gelobt und mit Leckerchen belohnt. Auf keinen Fall darf der Hund geschlagen oder mit Gewalt bestraft werden. Einem sorgfältig ausgebildeten Führhund sieht man die Freude am Arbeiten an. Für ihn ist die Führarbeit ein spannendes Spiel und er freut sich, dem Menschen gefallen und helfen zu können.

4. Welche Hunde werden ausgebildet?

Es werden meistens Deutsche Schäferhunde, Labradore und Retriever als Führhunde ausgebildet. Aber auch Riesenschnauzer, Königspudel, Bordercollies, Weiße Schäferhunde, Mischlinge usw. können diesen Beruf ausüben. Es kommt darauf an, dass der Hund ruhig und nicht zu schreckhaft ist, damit er sich im Straßenverkehr nicht ablenken und verunsichern lässt. Er darf außerdem nicht agressiv auf Menschen und andere Tiere reagieren oder sein Herrchen oder Frauchen, die Wohnung, sein Futter oder Spielzeug zu sehr verteidigen.

Führhunde sind am Anfang ihrer Ausbildung zwischen 12 und 18 Monate alt und werden zuerst einmal gründlich untersucht. Hunde mit kranken Hüften oder Augenproblemen werden nicht ausgebildet, weil sie nicht gut genug laufen oder sehen können.

Manchmal kaufen die Führhundschulen junge Hunde von Züchtern an. Manche züchten ihre Hunde auch selbst oder suchen passende Hunde bei Familien, deren Hündin gerade Welpen hat. Wenn die Hunde selbst gezüchtet werden, wachsen sie bis zum 12. Monat in Patenfamilien auf. Die Patenfamilien nehmen den Hund überall hin mit und gewöhnen ihn an die Wohnung, an das Fahren mit dem Auto, Bus oder Zug. Der Welpe lernt für die spätere Arbeit mit seinem blinden Herrchen oder Frauchen und muss deshalb möglichst viele Erfahrungen machen können. Deshalb sind Kinder in einer Patenfamilie, andere Haustiere wie Katzen, Vögel usw. kein Problem sondern ein klarer Pluspunkt.

5. Wie bekommt der blinde Mensch einen Hund?

Wenn ein blinder Mensch einen Führhund haben möchte, wendet er sich an eine Führhundschule. Diese sucht einen Hund aus, der gut zu ihm passt, z.B. für eine sportliche, junge Person eher einen Hund, der gerne läuft und viel Bewegung braucht, für eine ältere, ruhigere Person einen Hund, der auch eher ruhig und gemütlich ist. Danach lernen Hund und Mensch gemeinsam in der Schule, richtig miteinander umzugehen. Das neue Herrchen oder Frauchen lernt die Kommandos, um dem Hund zu sagen, was er tun soll, und gewöhnt sich an die Pflege des Hundes, das Füttern, Gassigehen und den ganzen Alltag, der mit Hund neu und anders ist als vorher. Der Hund lernt seinen neuen Menschen kennen und baut eine enge Bindung zu ihm auf, damit er weiß, wo er hingehört.

Anschließend fährt jemand von der Führhundschule mit an den Wohnort des blinden Menschen und übt mit dem neuen Führgespann aus Mensch und Hund die wichtigsten Wege ein.

Wenn Hund und Frauchen oder Herrchen gut aufeinander eingespielt sind, laufen sie als Team sicherer und schneller durch den Straßenverkehr als viele sehende Menschen.

6. Was unterscheidet den Führhund z.B. vom Polizeihund?

Für die Ausbildung zum Blindenführhund kommen nur Hunde in Frage, die sehr intelligent, nervenstark und nicht aggressiv sind. Ein Führhund darf nur in Ausnahmesituationen wie z.B. bei einem Überfall oder einer echten Bedrohung sein Herrchen oder Frauchen verteidigen. Dichtes Menschengedränge oder laute Geräusche auf der Straße darf er nicht als Bedrohung empfinden.

Ein Polizeihund muss im Gegensatz dazu in manchen Situationen aggressiv sein und soll sich viel leichter aus der Ruhe bringen lassen. Er soll bellen und in manchen Situationen sogar beißen, was ein Führhund auf keinen Fall tun darf.

7. Wohin darf ein Führhund mitgenommen werden?

Der Führhund ist das Hilfsmittel, mit dem sich sein blindes Frauchen oder Herrchen auch in fremden Umgebungen orientieren kann. Weil der Führhund als Helfer ständig zur Stelle sein muss, wenn er gebraucht wird, ist es auch selbstverständlich, dass er überall mitgenommen werden darf. Das gilt auch da, wo normalerweise Hundeverbot herrscht: Supermarkt, Fleischerei, Arztpraxis, Krankenhaus usw. dürfen von Hunden nicht betreten werden, der Führhund darf aber immer mit rein. Auch mit dem Taxi und anderen Verkehrsmitteln darf ein Führhund fahren, ohne dass der Mensch für ihn extra zahlen muss.